Geprüft/aktualisiert: Quellen (5) redaktionell recherchiert und verglichen
Kurz gesagt
Ein neapolitanischer Pizzateig besteht aus Mehl, Wasser, Salz und Hefe, sonst nichts. Als Richtwert für zu Hause gilt hier 60 % Wasser, 2,5 % Salz und 0,2 % Hefe, jeweils vom Mehlgewicht. Die Werte stammen aus einer Fachquelle und liegen in der Spanne, die sich aus dem AVPN-Regelwerk ableiten lässt. Wie lange der Teig geht, hängt von Raumtemperatur, Mehl und Hefe ab; beobachten Sie den Teig, statt nach der Uhr zu gehen.
Was dieses Rezept ist und was nicht
„Neapolitanisch“ meint hier den Stil, nicht ein Gütesiegel. Der Verband Verace Pizza Napoletana (AVPN) hat in seinem Regelwerk („Disciplinare“) festgelegt, wie eine traditionelle neapolitanische Pizza entsteht. Dieses Rezept richtet sich an Heimöfen und übernimmt davon die Teigzutaten und einige Grundregeln. Es erhebt nicht den Anspruch, die zertifizierte Pizza nachzubauen. Was ein Heimofen leistet, steht in der Bedienungsanleitung des Geräts und nicht im Regelwerk.
Der wichtigste Unterschied liegt beim Backen. Das Regelwerk nennt für die traditionelle Pizza im zertifizierten Ofen eine Bodentemperatur von ca. 380–430 °C, eine Kuppeltemperatur von ca. 485 °C und eine Backzeit von 60–90 Sekunden. Diese Werte gelten nicht als Vorgabe für Heimöfen. Wer sie als Messlatte für den eigenen Ofen nimmt, setzt sich unter Druck, den kein Hersteller verspricht. Welche Temperaturen für welche Aufgabe sinnvoll sind, erklärt die Seite Welche Temperatur braucht der Pizzaofen wofür?.
Quelle: AVPN, „Disciplinare“, englische Fassung, abgerufen 16.10.2026.
Das Grundrezept
Die Mengen in der Karte sind Richtwerte der Redaktion, entnommen aus einer Fachquelle für Heimrezepte (Scatti di Gusto, aktualisiert 08.08.2024) und abgeglichen mit dem AVPN-Regelwerk. Die Quelle nennt Mehl als Prozentbasis: Wasser 60 %, Salz 2,5 %, Hefe 0,2 % vom Mehl. Die Gramm-Angaben der Quelle sind gerundet; mit den Prozentwerten können Sie jede beliebige Teigmenge selbst berechnen. Das erledigt der Pizzateig-Rechner für Sie, inklusive der Umrechnung von Frisch- auf Trockenhefe.
Neapolitanischer Pizzateig (Richtwerte)
Ergibt: Bezugsmenge der Quelle: 1 kg TeigZutaten
- 625 gWeizenmehl Typ 00 oder 0 laut Packung (Quelle: mittelstarkes Mehl, W 240)100 %
- 375 gWasser60 %
- 15 gSalz2,5 %
- 1,2 gHefe („lievito di birra“, Hefeart in der Quelle nicht genannt)0,2 %
Zubereitung
Wasser vorlegen, Salz lösen
Das Wasser kommt zuerst in die Schüssel, das Salz wird darin gelöst. Das AVPN-Regelwerk beschreibt die direkte Teigführung und verlangt, mit dem Wasser zu beginnen.
Hefe zugeben und zügig weiterarbeiten
Hefe einrühren und das Mehl nach und nach zugeben. Salz und Hefe sollen laut AVPN nicht länger als 5 Minuten in direktem Kontakt sein, weil das Salz sonst die Hefezellen schädigt.
Kneten, bis der Teig glatt ist
Den Teig kneten, bis er glatt ist und sich vom Schüsselrand löst. Eine Knetdauer in Minuten nennt keine unserer Quellen; richten Sie sich nach dem Teig, nicht nach der Uhr.
Ruhen lassen (Gare)
Den Teig abgedeckt ruhen lassen. Die Dauer hängt von Raumtemperatur, Hefemenge und Mehl ab; Orientierung gibt das Volumen, nicht eine Zeitangabe. Zum traditionellen Rahmen und zur Kaltgare siehe den Abschnitt zur Gare.
In Teigballen portionieren (Staglio)
Den Teig in gleich große Teigballen teilen. Das Regelwerk nennt 200 g für Pizzen von 22 bis 24 cm Durchmesser und 280 g für 28 bis 35 cm. Die Ballen abgedeckt reifen lassen.
Dehnen und belegen
Den Teigling auf leicht bemehlter Fläche von der Mitte nach außen flach drücken und dehnen. Der Rand (Cornicione) bleibt dabei erhaben stehen. Dann zügig belegen.
Einschießen und backen
Die Pizza mit wenig Mehl auf dem Schieber in den vorgeheizten Ofen gleiten lassen, im Ofen bei Bedarf drehen und herausnehmen, sobald der Rand gebräunt ist. Temperatur und Zeit richten sich nach Ihrem Ofen und der Bedienungsanleitung.
Mengen sind Richtwerte nach Scatti di Gusto (W 240); sie liegen innerhalb der aus dem AVPN-Regelwerk abgeleiteten Spanne. Mehl, Raumtemperatur und Ofen verändern das Ergebnis.
Zutaten im Einzelnen
Mehl
Das Regelwerk nennt Weizenmehl Typ „00“ oder Typ „0“. Welches Mehl Sie nehmen, entscheidet die Packung: Typ und, soweit angegeben, die Backstärke (W-Wert) stehen dort. Eine Pflicht zu Typ 00 lässt sich aus den Quellen nicht ableiten, und eine Kaufempfehlung für eine bestimmte Mehlsorte geben wir nicht. Entscheidend ist, dass Mehl und Wassermenge zusammenpassen: Mehle nehmen unterschiedlich viel Wasser auf, das Regelwerk spricht ausdrücklich vom „Grad der Absorption“. Wenn der Teig mit 60 % Wasser deutlich zu fest oder zu weich wirkt, ist das ein Hinweis auf das Mehl, nicht auf einen Fehler von Ihnen.
Wasser und Hydration
Hydration ist die Wassermenge in Prozent vom Mehl (Glossar: Hydration). 375 g Wasser auf 625 g Mehl ergeben 60 %. Das AVPN-Regelwerk nennt keine Prozentzahl, sondern Mengen je Liter Wasser: 1 Liter Wasser auf 1.600 bis 1.800 g Mehl. Daraus lässt sich eine Spanne von rund 56 bis 63 % Hydration errechnen; das ist eine Rechnung der Redaktion, keine Angabe des Verbands. Die Seite Hydration beim Pizzateig erklärt zeigt die Rechnung Schritt für Schritt. Als Betriebstemperatur für das Wasser nennt das Regelwerk 16 bis 22 °C; das ist die Angabe für den zertifizierten Betrieb, keine Regel für die Heimküche.
Salz
Das Regelwerk nennt 40 bis 60 g Salz je Liter Wasser und bevorzugt grobes Meersalz. Auf das Mehl gerechnet ergibt das etwa 2,2 bis 3,8 % (Rechnung der Redaktion). Die 2,5 % des Rezepts liegen darin. Salz und Hefe sollen sich laut Regelwerk nicht länger als 5 Minuten direkt berühren, weil das Salz die Hefezellen schädigt. Das ist der Grund für die Reihenfolge in den Schritten: Salz im Wasser lösen, Hefe zugeben, sofort mit dem Mehl weiterarbeiten.
Hefe
Die Quelle der Richtwerte nennt „lievito di birra“, also Bierhefe, und lässt offen, ob damit Frisch- oder Trockenhefe gemeint ist. Das AVPN-Regelwerk nennt für Frischhefe 0,1 bis 3 g je Liter Wasser, je nach Temperatur, Feuchte und Gärzeit. Für Trockenhefe gilt laut Regelwerk ein Verhältnis von 1/3 der Frischhefemenge; ein Gramm Trockenhefe entspricht also drei Gramm Frischhefe. Beachten Sie in jedem Fall die Angabe auf der Packung. Die Menge von 0,2 % ist ein Richtwert für eine längere Gare; wer kürzer gehen lässt, muss die Hefemenge selbst anpassen und den Teig beobachten.
Kein Fett, kein Zucker
Das Regelwerk schreibt vor, dem Teig weder Fett noch Zucker zuzusetzen („Never add any fat or sugar“). Das ist eine Stilregel der traditionellen neapolitanischen Pizza. Viele Heimrezepte weichen davon ab und geben Öl und Zucker in den Teig; das ist möglich, ist dann aber nicht der Stil, den das Regelwerk beschreibt. Ein Beispiel zeigt die Vergleichstabelle weiter unten.
Der Ablauf im Detail
Die sieben Schritte der Karte sind knapp gehalten. Hier die Hintergründe, damit Sie bei Abweichungen wissen, woran Sie sich orientieren.
Kneten und Teigtemperatur
Für die Knetdauer gibt es in unseren Quellen keine belastbare Zahl. Sie hängt davon ab, ob Sie von Hand oder mit einer Maschine kneten, und vom Mehl. Orientieren Sie sich am Ergebnis: Der Teig ist glatt, dehnt sich ohne sofort zu reißen und löst sich vom Schüsselrand. Reißt der Teig später beim Dehnen oder klebt er, hilft die Prüfliste auf der Seite Pizzateig reißt, klebt oder geht nicht auf. Allgemeine Hefeteig-Grundlagen wie Kneten und Gehverhalten sind ein eigenes Thema außerhalb dieser Seiten; hier geht es um den Pizzateig.
Gare: Raumtemperatur oder Kühlschrank
Das AVPN-Regelwerk nennt für die traditionelle Pizza eine Gesamtgare von 12 bis 24 Stunden. Diese Angabe gilt für den zertifizierten Betrieb mit Reifekammer (ideal 18 bis 20 °C und 60 bis 70 % Luftfeuchte) und lässt sich nicht auf den Kühlschrank übertragen. Wer den Teig im Kühlschrank reifen lässt, findet den Ablauf auf der Seite Pizzateig mit Kaltgare. Zeiten nennen wir dort nur als Spanne und mit dem Hinweis, dass Quellen sich widersprechen.
Portionieren
Das Portionieren in Teigballen heißt im Regelwerk „Staglio“. Gleich große Ballen erleichtern es, Pizzen gleicher Größe zu formen. Das Regelwerk koppelt Gewicht und Durchmesser: 200 g für 22 bis 24 cm, 280 g für 28 bis 35 cm. Welche Größe in Ihren Ofen passt, steht in dessen Anleitung.
Dehnen
Der Rand bleibt stehen, die Mitte wird flach. Der erhabene Rand heißt Cornicione, englisch „crust“. Wie dick der Rand ausfällt, ist Geschmackssache und eine Frage der Pizzagröße. Dunkle Flecken am Rand sind eine neutrale Beobachtung beim Backen; ein Qualitätsurteil leiten wir daraus nicht ab.
Schieber und Einschießen
Das Regelwerk beschreibt den Schieber aus Holz oder Aluminium, auf dem die Pizza „mit Hilfe von etwas Mehl“ liegt. Mit einer schnellen Bewegung aus dem Handgelenk gleitet sie auf die Backfläche. Der Belag soll dabei nicht auslaufen; belegen Sie deshalb erst kurz vor dem Einschießen. Die Technik, einschließlich des Drehens im Ofen, steht auf der Seite Pizza einschießen und drehen. Klebt die Pizza am Schieber, hilft die dort verlinkte Problemseite weiter.
Typische Fehler und Prüffragen
Die Tabelle nennt Auffälligkeiten beim Teig und was Sie prüfen können. Sie enthält bewusst keine Zahlen, weil Mehl, Raum und Ofen sie verändern.
| Auffälligkeit | Mögliche Ursache | Prüffrage |
|---|---|---|
| Teig klebt stark | Wassermenge zu hoch für das Mehl | Nimmt Ihr Mehl weniger Wasser auf als im Rezept vorgesehen? |
| Teig reißt beim Dehnen | Teig zu fest oder zu wenig entspannt | Hat der Teigling ausreichend geruht, ist der Wasseranteil zu niedrig? |
| Teig geht kaum auf | Hefe geschädigt oder Teig zu kalt | Hatten Salz und Hefe längeren Kontakt, war der Teig zuletzt kühl? |
| Pizza klebt am Schieber | Zu viel Belag oder zu lange Wartezeit auf dem Schieber | Haben Sie erst kurz vor dem Einschießen belegt und den Schieber leicht bemehlt? |
| Unten dunkel, oben blass | Unterschiedliche Hitze von Boden und Kuppel | Wurde die Pizza gedreht, ist die Kuppel heiß genug? |
Wo Heimrezepte vom Regelwerk abweichen
Die folgende Tabelle stellt den Richtwert dieser Seite, die abgeleitete AVPN-Spanne und ein veröffentlichtes Heimrezept (Giallo Zafferano, Rezept von Davide Civitiello, abgerufen 16.10.2026) nebeneinander. Die Prozentwerte des Heimrezepts sind unsere Rechnung aus den Zutatenmengen. Das Heimrezept liegt im selben Bereich wie der Richtwert, enthält aber zusätzlich Öl und Zucker.
| Angabe | Richtwert dieser Seite | AVPN-Regelwerk (abgeleitet, Rechnung der Redaktion) | Heimrezept (Giallo Zafferano) |
|---|---|---|---|
| Wasser vom Mehl | 60 % | ca. 56–63 % | ca. 62,5 % (500 g auf 800 g Mehl) |
| Salz vom Mehl | 2,5 % | ca. 2,2–3,8 % | ca. 3,1 % (25 g) |
| Hefe | 0,2 % | 0,1–3 g Frischhefe je Liter Wasser | 1 g Frischhefe auf 800 g Mehl (ca. 0,13 %) |
| Fett und Zucker | keine | keine (Stilregel) | 25 g Olivenöl, 10 g Zucker |
Wie es weitergeht
Wer mit dem Teig im Ofen arbeiten möchte, der keinen Pizzaofen im Garten hat, findet die Anpassung für niedrigere Hitze unter Pizzateig für den Backofen mit Stein oder Stahl. Alle Rezepte und der Rechner sind im Bereich Pizza-Rezepte gebündelt.
Allgemeine Hinweise ersetzen keine Bedienungsanleitung und keine Fachberatung. Die Angaben des Herstellers gehen vor; bei Gas, Feuer und Standort gilt im Zweifel der Rat eines Fachbetriebs oder Händlers. Rechtsfragen beantworten wir nicht im Einzelfall.
Quellen und Stand
Geprüft/aktualisiert: 16.10.2026Quellen (5)redaktionell recherchiert, keine Produkttests
- Regulations for obtaining use of the collective trade mark Verace Pizza Napoletana (Il Disciplinare), englische Fassung – AVPN (abgerufen 16.10.2026)
- Lezioni di pizza. Regole e dosi per fare l’impasto a casa – Scatti di Gusto, aktualisiert 08.08.2024 (abgerufen 16.10.2026)
- Pizza napoletana (Rezept von Davide Civitiello) – Giallo Zafferano (abgerufen 16.10.2026)
- Rechnung der Redaktion: Hydration ca. 56–63 % und Salz ca. 2,2–3,8 % vom Mehl, abgeleitet aus den AVPN-Mengen je Liter Wasser – Redaktion (abgerufen 16.10.2026)
- Bedienungsanleitungen von Pizzaofen-Herstellern (Hitzehandschuhe, Kinder und Haustiere, nie unbeaufsichtigt) – Hersteller, modellabhängig (abgerufen 16.10.2026)